Remote Viewing Akademie
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Zack – whuiii – Meine erste Session   10. September 2011

Der Tag meiner ersten Session war gekommen.
Ok. Ich wollte nicht nervös werden, den Kopf irgendwie frei machen. Aber gerade in dieser Situation war das natürlich schwierig.
Manfred kennt diese Szenarien ja und weiß, wie man die Viewer auf den richtigen Weg bringt.
Also zuerst eine Einführung. Der Satz, der mir am besten gefallen hatte, war: wenn irgendwas schief läuft, dann ist der Monitor schuld. Also die Person, die einen durch das Protokoll führt. Super, dachte ich, Druckabbau.

Natürlich denkt man sich solche Sachen wie: hoffentlich schreibe ich jetzt nicht den totalen Mist dahin. Es hat bis jetzt bei allen funktioniert, vielleicht bin ich ja die erste, bei der es schiefgeht. Die Ausnahme von der Regel halt. Und welchen Eindruck mache ich?

Zur Lockerung und auch zur Übung des berüchtigten Krakels oder besser Ideogramms, gingen wir zuerst die Archetypen durch. Das ist ein einfacher, durch Piktogramm darstellbarer, zusammenhängender Informationskomplex, dessen Bedeutung weiter gefasst ist, als aus dem Begriff zu schließen wäre. „Berg“ ist somit jede Art von Erhöhung in einem einförmigen, flachen Umfeld, […].“ (S. 199, Remote Viewing Lehrbuch 1).
Dieser Berg ist durch ein unten offenes, nach oben zeigendes Dreieck symbolisiert. Es gibt viele weitere Piktogramme, die man sich auch in dem ersten Lehrbuch von Manfred angucken kann.

Soweit, so gut.

Ich fing an über mein erstes Ideogramm nachzudenken. Wie würde es aussehen, was würde es aussagen? Von dem Gedanken konnte ich mich nur schwer lösen, aber durch die weiteren Erläuterungen während der Einführung lockerte ich wieder etwas auf.
Ich lernte zunächst mehr über die grundlegenden Dinge des Protokolls.

Das weiße Blatt vor mir wurde mit den Daten versehen, die es später möglich machen, das Ganze noch mal nachzuvollziehen. Rechts oben mein Name, drunter das Datum und die Uhrzeit.

In die Mitte oben wird PI (personal inclemencations = persönliche Impression/Einstellung/Unpässlichkeiten) geschrieben. Die Abkürzungen beruhen auf dem englischsprachigen Protokoll. So werden bestimmte Bereiche auch international nachvollziehbar und übersichtlicher.

Ich schrieb: etwas nervös, neugierig, schon locker, bisschen am schwitzen.

Sollte man zu dieser Zeit schon irgendwelche Bilder im Kopf haben oder andere Dinge, die einen beschäftigen, wird auch das aufgeschrieben, um es loszuwerden.

Der Moment der Wahrheit war gekommen. Manfred hatte den Umschlag mit den Koordinaten vor sich liegen. Ich schielte immer wieder drauf, baute eine eigenartige Erwartungshaltung auf. Irgendwas zwischen Neugier, Spannung, Ungeduld, Sorge und einer Art Vakuum in meinem Kopf.
Er diktierte sie. Mit jeder Zahl wuchs die Anspannung. Genau eben diese sollte ja mit der letzten genannten Zahl abgebaut werden. Durch das Aufkritzeln des Ideogramms.

Zack…Whuii. Der Stift zuckte schnell und unkontrolliert über das Blatt. Da war nun mein Ideogramm, das aussah, als ob ein zweijähriges Kind die ersten Malversuche machte. Und das soll voller Information sein?

Ich wusste ja von den anderen Sessions, das es stimmte, aber jetzt sollte ICH was dazu sagen?

Von mir sollte jetzt diese Information kommen?

Zunächst wurden mehrere Abschnitte unterteilt, dich sich nach Gefühl ergaben. Wo fängt eine Bewegung an, wo hört sie auf.
Die erste einfache Beschreibung dieser Abschnitte sollte mich in die Szenerie einführen. Das konnte ich noch gut. Oben, rechts runter, links um die Kurve, usw.
Dann die ersten Fragen. Ist es eher klein oder groß, hell oder dunkel, weich oder hart?
Ich fuhr mit dem Stift die Bewegung des Ideogramms nach und entschied mich, das ist der Sinn der Sache, schnell und ohne nachzudenken. Naja, ich versuchte es. Manchmal kommen auch gegensätzliche Aspekte vor. Das ist normal, kam mir aber sehr seltsam vor.

Es ist weich UND hart. Nun gut. Manfred beruhigte meine Sorge immer, wenn ich dachte, totalen Blödsinn zu schreiben. Alles ist möglich. Nur nicht zu lange darüber nachdenken. Wenn etwas schiefgeht, hat er ja schuld.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich werde keine genauen Angaben zu dem Target machen und wie ich es umschrieben habe. Gerade für Anfänger gibt eine Reihe ausgewählter Ziele, die bestimmte Lernschritte beinhalten sollen. Um es nicht allen späteren Trainees zu versauen und Manfreds Arbeit an der Auswahl der richtigen Targets zu vernichten, werde ich hier nur beispielhafte Dinge sagen, aber keine genauen. Schon gar nicht die Ziele selbst.

Es ging also weiter. Nach den ersten Eindrücken, wie eben groß/klein usw. wurde gefragt, ob es sich künstlich oder natürlich anfühlt. Auch hier kamen in den unterschiedlichen Abschnitten manchmal das eine, manchmal das andere vor. Auch kein Problem.

Während wir diese Schritte abarbeiteten befand ich mich immer in dieser eigenartigen, befremdlichen Situation, irgendwas auf das Blatt zu schreiben, was in dem Moment überhaupt keinen Sinn ergab. Bloß nicht ins Nachdenken verfallen, dachte ich. Und war schon am denken.
Dann darf man sich keinen Stress machen. Was hat man denn schon zu verlieren?
Außerdem war es meine erste Session und Manfred machte mich auch darauf aufmerksam, wenn ich mich selbst unter Druck setzte. „Es geht hier nicht um die genauen Ergebnisse, sondern um die Übung und das Verstehen der Methode. Wir trainieren.“

Es ist aber durchaus so, dass auch die erste Übung meist richtige Ergebniskomponenten produziert.
Es kommt auch oft vor, dass nicht nur das Bild geviewt wird, sondern Aspekte, die drumherum stattfinden. Wie zum Beispiel die Aufnahme einer Sonnenblume, die aber in einem Garten mit Teich und Gartenhäuschen steht. Der Viewer findet auch den Teich interessant und gibt unter anderem eine Beschreibung dessen ab, obwohl der auf dem Bild gar nicht zu sehen ist.
Dass die Mechanismen des Unterbewusstseins anders funktionieren, als unsere üblichen Sinne es tun, konnte ich im Weiteren ja selbst erfahren.
Da sind plötzlich Dinge, die man mit Worten kaum beschreiben kann.
Die Oberfläche ist irgendwie weich-gebröselt, es riecht grün, da ist keine Grenze und trotzdem ist eine da, es ist außen, aber auch gleichzeitig innen.
Natürlich zweifelt man zwischendurch an seinem Verstand. Die bisher gekannte Logik ist wenig hilfreich. Genau das ist ein interessanter und völlig neuartiger Lernprozess.

Hat man das Ideogramm abgearbeitet, schreibt man unten auf das Blatt AI (aesthetical impact = Ästhetische Impression). Wie finde ich das Ganze jetzt?
Auf meinem Blatt stand: befremdlich, verwirrend.

Mein Kopf fühlte sich komisch an, irgendwie voller Druck, aber nicht negativ. Ich spürte förmlich, wie mein Gehirn einen Knoten hatte, von der mir völlig neuen Art zu „denken“ oder besser gesagt, eben nicht zu denken.

Besonders schwierig fand ich die Art von Vertrauen, die ich in meine wirren Äußerungen stecken musste. Nicht zu hinterfragen, nicht noch mal darüber nachzudenken und es einfach zu akzeptieren, dass da völlig unzusammenhängende, eigenartige Sachen von mir aufgeschrieben wurden.

Um die weitere Verbindung zum Target zu vertiefen, wird immer ein zweites Blatt mit den gleichen Koordinaten auf die gleiche Weise abgearbeitet.
Meist kommen dann noch bessere Ergebnisse zustande, die Verbindung wird enger.
Wie das Ideogramm beim zweiten Mal aussieht, ist egal. Ob es gleich ist oder anders.
Manche Menschen machen immer die gleichen Ideogramme, wie mir gesagt wurde, doch darin verbergen sich bei jedem Target auch andere Information.
Auch bei mir sahen sich die ersten beiden Krakel sehr ähnlich.

Auf dem nun dritten Blatt wurde die zweite Stufe herausgearbeitet.
Farben, Oberflächen, Gerüche, Geschmäcker, Temperaturen, Geräusche, Dimensionen.
Spontan ein paar Farben zu nennen, auch die Oberflächen, das ging noch irgendwie.
Aber Gerüche und Geschmäcker waren total abgedreht. Ich schmeckte ja nichts in dem Moment noch konnte ich etwas riechen. Trotzdem kamen mir irgendwelche Eindrücke in den Hinterkopf, die diesem oder jenem Geschmack ähnelten.

Immer wieder fuhr ich also mit dem Stift das Ideogramm nach und versuchte die Fragen von Manfred zu beantworten. Zu jeder Kategorie kann man mehrere unterschiedliche Eindrücke aufschreiben. Braun, Blau, Gelb und Grün müssen sich ja nicht widersprechen. In jenem Garten mit der gelben Sonnenblume gibt es ja auch die grüne Wiese, das blau-grüne Wasser im Teich, den braunen Baumstamm und das Gartenhäuschen, einen blauen Himmel usw.

Da, an der Stelle in meinem Krakel ist es laut, weiter unten irgendwie weit und hoch.
Ein Rauschen und vibrieren, das Ganze ist schwungvoll und dynamisch.
Gut, da kann ja mal jemand versuchen, ein konkretes Bild draus zu machen.

Das war nicht möglich und ist auch in dieser Stufe gar nicht beabsichtigt.
Das an alle diejenigen gerichtet, die denken, es geht sofort um realitätsgetreue Zeichnungen einer Landschaft, eines Gebäudes oder was auch immer das Target ist.
AI = eigenartig
Das war noch eine Untertreibung.
Aber mir fehlten teilweise die Worte. Wie gesagt, Knoten im Gehirn.
Ich fühlte mich wabbelig, wie ein großes Gelatinemonster.
Das hat natürlich nichts mit dem Target zu tun, aber wie fühlt sich denn ein Gelatinemonster? Keine Ahnung, aber so kam ich mir vor.

Auf dem vierten Blatt wurde nun die dritte Stufe notiert. Eine Skizze.
„Wie sieht das denn für dich aus, mal das einfach auf, ganz spontan.“
Mhmm, eigentlich konnte ich ja gar nichts sehen, es war eher wie eine Idee von einem sehr weit entfernten Ort, den ich noch nie besucht hatte. Also gut, zack, waagerechte Linie oben, hier und da ein Kreis, warum auch immer die da hingehörten, keine Ahnung.

Nachdem das aufs Papier gebracht war, puh, fing ich an, die zuvor gemachten Angaben zu übertragen.
Wo ist es grün, wo hart oder flüssig?
Nach und nach füllte sich das Blatt, immer noch sehr seltsam und verwirrend auf mich wirkend. Das alles ergab irgendwie keinen Sinn, aber gut.

Aus dem Grund war es auch sehr wichtig, am Ende das Target zu erfahren und sich der einzelnen Aspekte bewusst zu werden. Ansonsten hätte ich ein sehr unbefriedigendes Gefühl gehabt und wüsste ja auch nie, ob ich irgendwelche Aspekte richtig geviewt habe.

Zu meiner Überraschung waren fast alle Dinge richtig.

Doch auch in diesem Fall gilt: es geht nicht um die detaillierte Beschreibung, sondern darum, erstmal alles zuzulassen. Das ist schon schwierig genug.

Trotz aller Informationen, die ich vorher eingeholt hatte, war die erste konkrete Erfahrung mit keiner meiner Vorstellungen von RV vergleichbar.
Ich kann auch keine Beschreibung abgeben, von der ich wüsste, dass sie das entsprechende Gefühl vermittelt. Wer wissen will, was während einer Session vor sich geht, muss es wirklich selbst ausprobieren.

Wie ich schon zu Beginn meiner Praktikumszeit erahnt hatte, hat sich wirklich eine neue Welt vor mir geöffnet, besser gesagt in mir. Als ob meine „Erde“ vorher nur eine Scheibe war und jetzt ist sie plötzlich rund und viel größer als gedacht. Nach allen Seiten offen, dazu noch in einem unendlichen Universum treibend.

Jetzt wird mir erst langsam bewusst, wie eindimensional unsere Wahrnehmung, die Schulbildung und der Arbeitsalltag sind. Ist ja auch nicht schlimm, irgendwo braucht man Grenzen, um nicht abzudriften. Aber ich verstehe jetzt besser, warum man sich trotz dieser sogenannten Freiheiten im Leben eingeengt und sanktioniert fühlen kann.

Weil da tatsächlich noch viel mehr in uns ist, als wir erahnen.

Verkehrte Vernunft  -  11. September 2011