Remote Viewing Akademie
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Nachtrag zur Mail vom 16.3.

Hi Leute, ich muss noch was klarstellen:

Als ich vorhin schrieb wir kommen langsam in den Zeitbereich wo es besser wird, meinte ich keinesfalls, dass dies jetzt eine Tendenz ist.
Ich wollte ansich nur sagen, dass jeder Tag den es gelingt weiterhin ausreichend/notdürftig zu kühlen ein wenig den Fuss aus dem Sarg zieht.
Exkalationen über das jetztige Maß hinaus sind natürlich weiterhin möglich. Das Schicksal Japans liegt einfach in den Händen der Leute, die dort ihr Möglichstes tun.

Da ich gebeten wurde die Folgen für Japan vom Mindestest- bis zum Extremstmaß einzuschätzen, will ich dem nachkommen. Erstens - zum jetztigen Zeitpunkt völlig unabsehbar! Zweitens kann ich nur meine Meinung abgeben. Meine bisherigen Statements waren ja auch Hausnummern was ich immer wieder betonen möchte. Allerdings habe ich ein wenig (und wirklich nicht mehr) Erfahrung mit verschiedenen Kernkraftwerken und kenne ein paar Daten und Auslegungsprinzipien, so das ich zum Zustand der Anlage "qualifiziert raten" (educated guess) kann. Was die Folgen angeht, kann ich wirklich nur eine Meinung abgeben, die eventuell völlig daneben liegt.

Bestmöglicher Ausgang:

Es kommt zu keiner Kernschmelze bzw. nur zu einem minimalen Verschweißen der Brennelemente miteinander ohne völlige Zerstörung von deren struktureller Integrität. Die ausgetretenen Isotope werden weit verteilt
(Verdünnungseffekt) oder und sind kurzlebig, so dass sie in den nächsten Monaten keine wirkliche Gefahr mehr darstellen. Die Brennelemente lassen sich nach der Wiederherstellung eines Daches und dem Dichtsetzten des Reaktorgebäudes (also aller Reaktorgebäude) entweder problemlos oder eben durch verschiedene Unterwasserschneidverfahren trennen und mit einer neuen bzw. wieder Hergestellten Lademaschine in ein ggf.
repariertes Brennelementbecken zum Abklingen bringen. Es kann zu Engpässen kommen, die bei der wiederherstellung des Reaktorgebäudes und des BE-Beckens führen, weil man eventuell nicht weiß wohin mit den Brennelementen um vernünftig arbeiten zu können (Strahlenbelastung). Das ist aber eine Planungsfrage und wird eventuell neue Verfahren brauchen z.B. das schnelle Abziehen der Brennelemente aus der Anlage in einem Castor der aufgrund der höheren thermischen Leistung der Brennelemente nicht voll beladen wird und/oder mit speziellen Kühlanlagen versehen wird. Somit könnte man die Brennelemente in ein dafür umzurüstendes Zwischenlagerbringen. Ggf. baut man ein spezielles externes Gebäude mit eigenen Abklingbecken um das gesamte Radioactive Material aus den Blöcken zu bekommen und somit deren Rückbau ohne Rücksicht auf verbliebenes Spaltmaterial angehen zu können. Der Ersatz bzw. die Wiederherstellung sämtlicher Brückenkräne in den Reakorgebäuden ist ebenso extrem wichtig. Ohne diese bekommt man keine Großkomponenten hinein oder Castoren herraus. Das wird man wohl noch vor Neuerrichtung der Dächer machen müssen, nachträglich ist das sicher nicht möglich. Die Bevölkerung könnte wieder bis auf wenige Kilometer an das Kernkraftwerk ran die Blöcke 5 und 6 gehen wieder ans Netz (Sofern nicht noch Lehren aus Erdbebenschäden an den Anlagen zu ziehen sind bzw. diese zu reparieren sind) und werden gegen Überflutung ihrer Dieselagregatte nachgerüstet (damit könnte die jetzige Situation unter gleichen Umständen nicht wieder auftreten). Der Rückbau der 4 beschädigten bzw.
zerstörten Blöcke wird in jedem Fall Jahrzehnte dauern, je nachdem wie stark die innen kontaminiert sind und womit (siehe Gundremmingen Block A).

Mittleschwerer Ausgang:
Partielle Kernschmelze soweit, dass das Kerninventar nur noch ein Klumpen ist, diese aber noch gestoppt werden kann bevor sie sich durch den Reaktordruckbehälter durch schmilzt. In diesem Falle habe ich keine Ahnung wie es weiter geht. Man müsste dann sicher wie in Three Mile Island/Harrisburg USA weiter vorgehen aber ich habe keine Ahnung wie weit die sind. Jedenfalls haben die Amis dieses Problem schon, so das die Japaner dort anfragen könnten. Wahrscheinlich kann man erstmal nur den RDB auszementieren. Eine Kühlung des Schmelzkuchens ist in jedem Falle noch mindestens 10 Jahre sicher zustellen. In 30 Jahren kann man dann sicher mal drüber nachdenken die erstarrte Schmelze samt RDB auseinander zu schneiden und in Stücken in Castoren zu stecken. Dafür muss man aber neue Verfahren entwickeln weil die Geometrie dann eine andere ist als bei einem intakten Brennelement. Ansonsten alles wie beim "Bestfall".

Schwerer Ausgang:
Es findet eine vollständige Kernschmelze statt. Kern + RDB werden eine Masse und laufen im unteren Kraftwerksbereich (Steuerstabantriebsraum) zusammen. Der Fall wäre ähnlich wie der "Mittlere" aber erstens schwerer zu kühlen (weil der Zwischenraum zwischen RDB und biologischen Schild, in dem man bisher von außen gekühlt hat, fehlt. Ein "Innen" in das man Kühlwasser leiten könnte existiert auch nicht mehr. Somit ist mir unklar, wie man das vernünftig kühlen will. Eventuell wäre es gut den SAR (Steuerstabantriebsraum) mit einer Wasservorlage zu fluten (ggf. ist dies bereits geschähen) damit die Schmelze auf der durch ihre eigene Hitze erzeugten Dampfschicht schwimmt und somit mehr auskühlt (man geht in deutschen Analgen von diesem Szenario bei Kernschmelzen aus). Das hätte den Vorteil, dass die Schmelze so erstmal gekühlt würde und der Boden des Kraftwerks zumindest eine Zeit lang geschützt wäre und somit ein Druchschmelzen bis in den Boden unter dem Kraftwerk (Grundwasser,
Meer...) verhindert würde. Sollte dies dennoch passieren wären wir schon in Richtung "Schlimmster Fall". Wie man im hier beschrieben Fall dann zurückbauen will weiß ich nicht, man kriegt die Schmelze ja auch nicht mehr geschnitten oder irgendwie raus weil sie ja mit Anlagenteilen im Boden verschweißt wäre. In jedem Fall eine Menge hochaktiver Abfall.
Wahrscheinlich würde man auch so bald als möglich das Reaktorgebäude mit Beton ausfüllen und von Außen schön anmalen. Die Entsorgung ist in so einem Fall so oder so eine Frage zukünftiger Generationen. Nicht weil man nicht will, sondern weil man nicht kann! Entsorgung ist auch ein tolles Wort, denn das Zeug ist ja dann nicht weg. Wenn man ganz mutig und technisch versiert wäre, könnte man überlegen bergmännisch (Roboter) abgebaute erstarrte Schmelze der Wiederaufbereitung
(Stoff+Isotopentrennung) zu zuführen. Das würde eine Menge kosten hätte aber den Vorteil, dass man nicht Unmengen Mischmaterial irgendwo verbuddeln müsste.

Schlimmster Fall:
Das kann man ganz kurz beschreiben! Der Schlimmste Fall wäre, dass wie auch immer kleinste Partikel (schweben lange, setzen sich nicht so leicht ab) der Zerfallsprodukte und des Spaltmaterials durch starke Brände, extreme Explosionen oder sonst was in die Atmosphäre geschleudert werden und sich dann über Kilometer auf Japan absetzen.
Folge davon wäre fast überall Strahlung (im tolerierbaren oder auch untolerierbaren Bereich), enorme Flächen wären der landwirtschaftlichen Nutzung nicht mehr zugänglich ggf. sogar nicht bewohnbar. In jeden Fall müssten Lebensmittel für die dort Lebende Bevölkerung eingeführt werden.
Da die Gefahr der Inkorporation (Aufnahme) von radioaktiven Stoffen im Körper viel viel schlimmere Auswirkungen hat als Strahlung von außen. So kommen dort Betastrahler und Alphastrahler zum tragen, die sonst bereits durch ein Blatt Papier oder eine Folie abschirmbar wären.

Man muss das nicht weiter beschreiben, da diese Dinge von der Umgeben von Tschernobyl oder vom Bikiniatoll bekannt sind. Zwar wachsen in beiden Regionen Pflanzen die auch Früchte tragen aber diese enthalten hohen Cäsiumanteile (z.B. eine kleine Zitrone auf dem Bikini-Atoll wurde mit 2,5µSv/h gemessen, von außen nicht schlimm aber von innen sehr ungesund). Zudem besteht die Möglichkeit der Schwermetallvergiftung der Böden und Wässer (Plutonium aus MOX-Elementen, Uran, schwere Spaltprodukte). Da die Japaner sehr sehr stark bestrahlte Brennelemente nutzen (wohl um sie absolut auszulutschen und sich die Wiederaufbereitung zu sparen) ist jede Freisetzung dieser Spaltelemente in die Umwelt extrem gefährlich.

Das Militär hat zwar Verfahren zur sogenannten "Entaktivierung"
entwickelt wo man Fahrzeuge und Gebäude reinigen kann. Das Abwasser muss aber (anders als bei militärischen Operationen) wie in einem Kernkraftwerk aufbereitet und die festen Rückstände in Endlager verbracht werden bis genug Halbwertszeiten vergangen sind, dass man es als normalen Müll/Staub betrachten kann und das dauert! Das Militär hebt in verstrahltem Gelände gewöhnlich mehrere Zentimeter (20-50) Boden ab.
Das ist zwar sinnvoll weil die Isotope so nicht in tiefer in den Boden gelangen können (z.B. durch Regen/Sickerwasser) und dann wieder von Plfanzen und Tieren aufgenommen werden aber anders als im Kriege kann man den kontaminierten Boden ja nicht einfach auf eine notdürftige Halde fahren. Ich sehe keine Chance, wenn man mal von 50 km Sperrzone ausgeht, 2000 Quatratkilometer Japans quasi die Haut abzuziehen und zu entsorgen.

Ein Eindringen der Kernschmelze in den Boden kann für Grund- und Seewasser zur Katastrophe werden, da diese über Jahrzehnte (vielleicht auch Jahrhunderte) Isotope aus der erstarrten Schmelze/Schlacke auswaschen und weit Verteilen würden. Es steht zu hoffen, das diese durch die eigene Hitze im Sandboden verglasen würde. Somit wäre sie erst einmal wasserdicht verpackt bis das nächster Erdbeben durch seine Stöße das spröde Glas platzen lässt.

Generell:
Ich halte es für völlig verfrüht irgendwelche Überlegungen über die Langzeitfolgen und die potentielle landwirtschaftliche Nichtnutzbarkeit oder gar dauerhafte Evakuierung von Teilen Japans aufgrund katastrophaler Verteilung von Spaltprodukten und Spaltmaterial über große Flächen anzustellen, wo Menschenmengen im zweistelligen Millionenbereich leben (Großraum Tokio). Ich habe das nur auf Anfrage getan. Das Ausmaß ist noch nicht absehbar und von der weiteren Lage in den Reaktoren und dem Wetter (Wind, Niederschlag) abhängig. Nach jetzigem Stand wird der Raum um die Kernkraftwerke wohl mit kleineren Einschränkungen und leicht erhöhten Risiken wieder voll nutzbar werden.
Allerdings ist das reine Spekulation, da die Katastrophe ja noch läuft!!!

Alles hängt von den Mannschaften vor Ort ab. Für die ist die Prognose mit Sicherheit sehr sehr viel düsterer als für Gesamtjapan und den Rest der Welt. Es ist denkbar wenn nicht wahrscheinlich, dass sich ein Großteil während der Notmaßnahmen lebensgefährliche wenn nicht gar tötliche Verstrahlungen zu zieht oder bereits zu gezogen hat. Ich rechne mit dem Tod mehrerer Personen der Betriebsmannschaften in den nächsten Monaten an Strahlenerkrankungen. Falls nicht noch welche sofort umkommen, dass muss dann ja nicht an der Strahlung liegen z.B.
Explosionen, Feuer, Stürze, Ersticken und was nicht alles an Gefahren besteht. Sehr viele werden sicher auch an Krebs als Folge der hohen Strahlendosen sterben. Fehlgeburten bei den Nachkommen sind auch wahrscheinlich. Dies gilt zumindest wenn Frauen den Strahlen ausgesetzt wurden, da sich Eizellen im Gegensatz zu Spermazellen nicht neubilden (man kann also die Sache nicht aussitzen), sind die Hoden beschädigt, so dass sie kranke Spermien produzieren, ist auch das nicht mehr zu reparieren. Das ein Großteil dieser 50 oder mehr Leute nicht in hohem Alter nach einem erfüllten Leben sterben wird scheint klar!!! Dessen sind sie sich sicher auch bewusst. Umso mehr Anerkennung verdient ihr Einsatz!!!

Liebe Grüße Marco