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Mail vom 15. 3.2011

Hallo Leute,

ich muss meine Aussage von gestern soweit korrigieren, dass der BWR-3
(Siedewasserreaktor-3) Reaktoren von General Dynamik DOCH ein Kondensations-system haben, auch wenn das völlig anders aussieht als bei modernen Anlagen (daher konnte ich es in der Skizze nicht deuten). Es handelt sich dabei um den "Ring" im untersten Stock des Reaktorgebäudes.
In deutschen (Kraftwerksunion/Siemens, heute Areva) Druckwasserreaktoren dient der sogenannte "Ringraum", der anders aussieht als der im BWR-3, der Aufnahme der nuklearen Nach-/Zwischenkühler (deren Ausfall in Fukushima die jetztige Katastrophe verursacht hat). Ich bitte diese sachliche Unrichtigkeit hiermit als berichtigt zu betrachten.

http://en.wikipedia.org/wiki/Fukushima_I_nuclear_accidents

Zur Einschätzung der dort angegebenen Dosisleistungen von 400mSv/h zwischen den Reaktorblöcken 2 und 3 seien folgende Angaben gemacht.
400mSv entspricht der LEBENSZEITDOSIS die man in Deutschland abbekommen darf. Sprich würde ich diese Dosis im Alter von 30 Jahren voll haben müsste ich den Beruf wechseln, da ich in keiner Kerntechnischen Anlage oder unter sonstiger Strahlenexposition mehr arbeiten dürfte. Die Tagesdosis beträgt maximal 2 mSv, die Jahresdosis maximal 20 mSv (man kann also nur 10 mal im Jahr seine Tagesdosis voll machen und ist dann für den Rest des Jahres gesperrt).
Ab 200mSv akut akkumulierter Dosis, die man zwischen den Reaktorblöcken
2 und 3 in Fukushima in einer halben Stunde voll hätte (400mSv/h * 0,5h = 200 mSv) treten erste nachweisbare Strahlenschäden auf (z.B. Verbrennungen). Ab ca. 1000 mSv (also 1 Sv) akut akkumulierter Dosis tritt die Strahlenkrankheit auf (Schwäche, Übergeben, Schwindel, Verbrennungen usw.). Bei ca. 2 Sv geht man davon aus, dass dies die geringste akut tödliche Dosis ist. Diese hätte man bei 400mSv/h in 5 Stunden erreicht. Der Körper hätte nicht genug Zeit sich zu erholen.

Die Jahresdosis in Deutschland die der Normalbürger durch kosmische und geologische Strahlung abbekommt liegt wohl bei 2,4 mSv bis zu ca. 8 mSv z.B. im Erzgebirge (Radon Ausgasungen). Bitte nehmt diese Zahlen nicht soo genau mir gehts lediglich um die Veranschaulichung der Größenordnungen. Einmal den Schädelröntgen lassen 3,7 mSv (habe ich erst vor 14 Tagen in der Tabelle in einem Röntgenlabor einsehen dürfen). Für weitere Werte bzw. genauere Angaben ist sicher was im Internet zu finden.
Es gab 1999 in der japanischen Urananreicherungsanlage Tokaimura einen schweren Unfall. Laboranten hatten nur chemisch, nicht radiochemisch gedacht und meinten ein größerer Ansatz wäre einfacher und würde mehr Ausbeute bringen. Das Uran in der Lösung erreichte darauf die Kritische Masse und die Kernspaltung setzte ein. Drei Mitarbeiter starben. Der mit der höchsten Dosis unter ihnen hatte 70 Sv abbekommen.
Er starb aber nicht sofort. Der Unfall ereignete sich im September der Mitarbeiter starb kurz vor Weihnachten. Es schloss sich also trotz heftiger Überdosis zu den sonst als letal erachteten 2 Sv eine sehr, sehr lange Leidenszeit an! Sprich die Wirkung der Strahlung ist nicht so genau abzuschätzen. Hinzu kommt, das diese Mitarbeiter (alle im zweistelligen Sv-Bereich verstrahlt) nicht nur von der normalen Alpha- Beta- und vor allem Gammastrahlung getroffen wurden, sondern aufgrund der Kritikalität der Uranlösung im Kessel auch der Neutronenstrahlung ausgesetzt waren, die besonders die DNA und Zellstruktur zerstört. Ich will damit sagen, dass man eventuell auch höhere Dosen als 1 Sv überleben kann, aber das ist so individuell, dass es nicht abschätzbar ist.

Jedenfalls zeigt der Vorfall in Tokaimura nicht, dass die Sicherheitsstandards in Japan über alle Zweifel erhaben sind, so wie es in den Medien dargestellt wird. Man sollte annehmen, dass jemand in einer Urananreicherungsanlage weiß WARUM man nur kleine Portionen Uran-235 anreicherte. Dennoch schätze ich die Lage so ein, dass die Betriebsmannschaften in Fukushima soweit irgendwie möglich richtig gehandelt haben und es tatsächlich die Technik war, die versagt hat.
Vielleicht werden wir nie wirklich erfahren, woran es tatsächlich hing und diese Katastrophe kommen konnte. Meine Meinung ist halt klar, dass es eine Fehlkonstruktion sein muss, wenn alle Reaktoren das gleiche Versagen zeigen.
Es steht also zu befürchten, dass die Betriebsmannschaft sich aus der Anlage komplett zurückziehen muss, was heißt, dass die Situation dort auch der letzten Kontrolle entzogen wird. Ich hoffe, dass die Schichten, die dort arbeiten nicht allein aus Leuten besteht, die bereits zum Zeitpunkt des Tsunamis dort waren... diese müssten über die letzten Tage bereits bedenkliche Dosen akkumuliert haben einfach aufgrund der langen Aufenthaltszeit. Mir ist nicht bekannt, ob eine Strahlendichte Warte vorhanden ist, die so abgeschirmt ist, dass man da drin bleiben kann, ohne sich zu verstrahlen. Dennoch ist in so einer Situation von der Warte aus nichts mehr zu regeln, man kann nur noch Messwerte ablesen (was auch was wert ist solange es noch intakte Messgeräte gibt). Sprich, die Leute müssten am Reaktorgebäude arbeiten, um nicht zu sagen auch innen drin.
Schlimmstenfalls kann man dann nur noch wie in Tschernobyl von oben Wasser, Sand usw. abwerfen. Allerdings hat meines Wissens nach keiner der Piloten überlebt.

Ich will es nicht zu düster machen. Eventuell sind die Messwerte auch nur Spitzenwerte, die nur über einen gewissen Zeitraum aufgetreten sind.
Sollten sie dauerhaft anliegen kann dort quasi nur noch jemand arbeiten, der als Todeskandidat die Selbstaufopferung in Kauf nimmt. Daran dürfte es gemäß den Traditionen in Japan nicht mangeln, Frage ist wie die modernen Japaner das sehen.
Ich hoffe die Situation ist durch meine Ausführungen zusammen mit den im Internet und den Medien erhältlichen Informationen etwas besser einschätzbar für euch geworden, gerade was konkrete Werte angeht, so diese denn mal genannt werden.
Immer noch kann man nur das Beste hoffen.
Liebe Grüße,

Marco